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Ein langes, langes Leben lang

Was tun, wenn wir 100 Jahre und älter werden?

Eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute zuerst: Wir werden 100 Jahre und älter. Und nun die schlechte: Wir müssen 100 Jahre oder mehr sinnvoll rumbringen. Wir steuern auf eine Gesellschaft zu, die sich komplett neu organisieren muss, damit die sozialen Systeme nicht kollabieren. Und wir müssen unseren Lebensplan völlig neu andenken. Wir müssen uns von vielen Lebensgewissheiten verabschieden.

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Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Schon heute werden Menschen im Durchschnitt 85 Jahre alt. Männer etwas weniger, Frauen etwas mehr. Das heißt, jeder Mensch genießt in unseren Breiten mindestens 20 Jahre Altersruhe, Rente, Pension etc. Das ist doppelt so lange wie ursprünglich gedacht. Und die Lebenserwartung steigt weiter, eher schneller als langsamer.

Medizin verlängert Leben

Ein gesundes Leben, keine Kriege und wenig Gewalt sind ein Faktor für längeres Leben. Vor allem aber sorgen die Fortschritte in der Medizin dafür, dass wir älter werden – und dass wir davon auch wirklich etwas haben und nicht siech und kaputt aufs letzte Stündlein warten. Und schon heute ist absehbar, dass die Medizin in den nächsten Jahren noch viel mehr Krankheiten und Malaisen noch viel besser behandeln oder sogar heilen kann.

Neue Diagnosetechniken mit 3-D-Scannern und Nano-Bots im Körper erkennen Krankheiten besser und früher. Neue, personalisierte Medikamente und Therapien wirken viel besser. Menschliche Gliedmaßen und Organe können immer besser ersetzt werden, bald vielleicht in der Petrischale gezüchtet. Und die Genetik wird immer besser werden und damit Krankheiten und Gesundheitsrisiken früh erkennen und beseitigen lassen.

Neue Lebensphasen

Absehbar ist, dass die heutige Generation der 20-Jährigen im Schnitt 100 Jahre und älter wird, die heute neu Geborenen 110 Jahre. Eine wirklich lange Zeit, die uns umso länger erscheinen wird, je mehr sich die Welt und die Entwicklung der Menschheit und ihrer Technologien weiter beschleunigen wird. Wir werden gefühlt in 100 Jahren drei oder vier Leben nach der Art unserer Großeltern leben.

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100 Jahre Leben! Die Vorstellung ist schon irgendwie atemberaubend. Egal, wie schnell die Zeit vergeht, das ist dann doch eine sehr lange Zeit. Zu lange, als dass die heute übliche Einteilung in drei Lebensphasen noch passt:

  • Ausbildung: ca. 25 Jahre
  • Beruf: ca. 40 Jahre
  • Rente: ca. 15 Jahre

Ein Leben ohne Arbeit

Bei 100 Jahren Lebenszeit und mehr würde der letzte Abschnitt sehr lange dauern. 35 Jahre. Fast so lange wie der Abschnitt, in dem man sein Leben selbst bezahlt und für die Zeit nach der Arbeitszeit anspart. Jedes Arbeitsjahr müsste man so – und in zinslosen Zeiten wie jetzt ganz besonders – für ein Jahr Nacharbeitszeit ansparen.

Das ist unmöglich. Und wer will das schon? Mehr als ein Drittel seines Lebens völlig ohne Arbeit leben. Ohne die sozialen Kontakte in einer Arbeitswelt, ohne die Anerkennung und ohne die Struktur, die ein Arbeitsleben schafft. Abgesehen davon, kann kein Rentensystem funktionieren, in dem jeder Arbeitende einen Rentenempfänger durchfüttern müsste. Allein der Rentenbeitrag würde so die Hälfte jedes Einkommens wegfressen.

Rente mit 85?

Daher prognostizieren alle unabhängigen Fachleute, dass wir in nicht allzu ferner Zukunft mindestens bis zum Alter von 70 oder gar 75 Jahren arbeiten müssen. Prognosen für das Jahr 2050 gehen von einem Arbeitsalter bis 85 Jahren aus. Denn richtig: Eine Altersphase von 15 Jahren ohne Arbeit ist in etwa finanzierbar. Genau das tun wir ja heutzutage.

Die Folgen für die erste Lebensphase, die Ausbildung? Macht es da Sinn, möglichst schnell durch das Schulsystem und die Hochschulen geschleust zu werden? Und dabei werden die Lehrpläne immer auf Fakten getrimmt, weil das schneller durchzunehmen und besser abzufragen ist. Aber Faktenlernen ist heutzutage schon Unsinn. Denn Google und Wikipedia wissen immer mehr – und wissen es besser.

Sich immer wieder neu erfinden

Vor allem aber bräuchte es heute eine Ausbildung zur Flexibilität. Denn in einer viele Jahrzehnte dauernden Arbeitszeit werden die unterschiedlichsten beruflichen Anforderungen auf einen zukommen. Und die digitale Revolution wird weitergehen und Roboter weiter Arbeitsplätze übernehmen. Da bräuchte es vor allem die Fähigkeit, immer weiter lernen und sich immer wieder neu erfinden zu können. Schöne Aussicht: nicht nur ein Leben zu müssen, sonders mehrere leben zu können.

Die Folgen für die Arbeitsphase, wenn die Arbeitsphase statt 40 irgendwann 50 oder 55 Jahre dauert. Da muss man von Anfang an darauf schauen, dass man sich nicht verausgabt. Dann ist es aus damit, dass Firmen Mitarbeiter wie Zitronen ausquetschen können. Daher muss von Anfang an die Work-Life-Balance stimmen. Und wahrscheinlich ist es vorbei mit einem 8-Stunden-Tag und einer 40-Stunden-Woche. Und vielleicht nimmt ja ein bedingungsloses Grundeinkommen den schlimmsten Überlebensstress weg.

Ein Arbeitsleben in Phasen

Solch eine lange Arbeitszeit wird in immer kürzeren Phasen unterteilt sein. Es wir öfter Jobwechsel geben. Nicht nur etwa in andere Firmen, sondern in völlig neue Aufgabengebiete. Dazwischen wird es Pausen geben, unfreiwillig oder freiwillig als Sabbaticals. Zwischen den neuen Aufgaben wird es auch immer Weiterbildung oder Umschulungen geben. Und nicht erschrecken, dafür wird man bis dahin netter Begriffe gefunden haben. Etwa „Reloads“ oder „Reframing“. Und früh mal einen Ahnung vom Sinn des eigenen Lebens zu bekommen wäre auch nicht schlecht.

Apropos Erschrecken: bis 85 arbeiten? Das schockt doch ganz schön, wenn man das so liest! Die Wahrheit ist: Kein Politiker wird je wagen, solche unliebsamen Wahrheiten auch nur anzudeuten. Er würde ja ganz sicher nicht mehr gewählt werden. Im Gegenteil: Es werden immer neue Rentenerhöhungen versprochen und durchgesetzt, denn die Rentner werden immer mehr (weil sie auch länger leben) und ein beliebtes Wählerpotential. Von den Gewerkschaften ganz zu schweigen.

Es ist wie es ist: Am Ende wird das Problem einfach über die Macht des Faktischen gelöst. Es fällt ja auch auf, dass die jüngste Generation der Arbeitenden längst viel klüger darauf achtet, dass sie nicht ausgebeutet wird. Das Ziel ist, dass das Leben schon längst vor der Rente gelebt wird. – Und am Ende die Befriedigung zu haben, ein gelungenes Leben gelebt zu haben…

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